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Aufarbeiten der Vergangenheit nie abschließen

ÖKV Förderkreis

2021-10-29
 

Panel zu GedenkkulturIm vollbesetzten Veranstaltungssaal der österreichischen Kulturvereinigung fand am 27. Oktober mit „Gedenkkultur in Österreich“ eine Sternstunde unseres Vortragsreigens statt.

Unter der Moderation von Bot. i. R. Dr. Franz Cede diskutierten Univ. Prof. Mag. Dr. Barbara Stelzl-Marx, die Generalsekretärin des Österreichischen Nationalfonds Mag. Hannah Lessing und Prof. Dr. Michael Dippelreiter über die Geschichte und den Prozess der Gedenkkultur in Österreich, wobei übereinstimmend 1986 (Waldheim-Affäre) als Schlüsseljahr angesehen wurde.

 

Dippelreiter gab einen geschichtlichen Abriss der Gedenkkultur 1938-88 und unterstrich, dass jede Generation sich dem Thema neu stellen müsse. Kritisch äußerte er sich über die Selektivität bei der Umbenennung von Straßennamen und die mangelnde Kontextualisierung bei der Bewertung von Denkmälern. „Geschichte ist nie schwarz-weiß, sondern man muss bereit sein, zu differenzieren.“ Stelzl-Marx analysierte anhand des Lagers Liebenau drei Arten des Vergessens: die aktive Form (bewusste Verwischung der Spuren der Verbrechen), die passive Form (das Verbrechen wird zum Tabu, man spricht nicht darüber) und das „Verwahrungsvergessen“: die Spuren sind unsichtbar, aber dennoch vorhanden. Durch den Prozess der Aufarbeitung wird das Gedenken schließlich Teil des kollektiven Gedächtnisses. Cede beschäftigte sich mit der „second generation“ der Überlebenden der Shoah und ihren unterschiedlichen Lebensstrategien. Lessing erinnerte an Vranitzkys Rede vor dem Nationalrat 1991 und die Notwendigkeit der Festmachung des Gedenkens an bestimmten „Lieux de mémoire“. In berührender Weise berichtete sie von der Übergabe einer ihrer Familie gehörenden Tora-Krone an ihren Vater nach 70 Jahren: „Man kann das Aufarbeiten der Vergangenheit nie abschließen!“

Das Publikum dankte dem Panel für die umfassende Behandlung des Themas mit zahlreichen und pointierten Fragen. 

Text: Christian Prosl
Bilder: M. Dippelreiter

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